Bergbau im Ortsteil Heinrichsdorf

Der Ursprung des Ortes Heinrichsdorf ist eng mit dem Ramsbecker Bergbau verbunden. In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Ramsbecker Gruben in den Besitz einer Aktiengesellschaft gelangt. Der Generaldirektor dieser Gesellschaft, Marquis Henry de Sasseney, wollte nach fantastisch ausgearbeiteten Plänen die Ramsbecker Blei- und Zinklagerstätten zum größten Industriezentrum Europas ausbauen.
Daher sollten weit über tausend Bergleute herangelockt werden, für die in kürzester Zeit die Kolonien Andreasberg, Heinrichsdorf und Alexander errichtet wurden. Ende Oktober 1854 zogen die ersten Bewohner in das neue Heinrichsdorf ein, das den Namen nach seinem Erbauer Henry de Sasseney erhielt. Die Bergleute kamen voller Hoffnung, und zwar vornehmlich aus dem Erzgebirge und der Gegend von Zwickau, Schneeberg und Freiberg in Sachsen. Aber schon bald wurde die Krise des Unternehmens offenkundig. Der industrielle Aufschwung endete mit einem großen Betrug. Aufgrund der beispiellosen Misswirtschaft und der ungeheuren Schulden folgte schon im April 1855 der Zusammenbruch der Stolberger Aktiengesellschaft. Tief enttäuscht verließen die sächsischen Familien bis 1856 Heinrichsdorf. Der Flur- und Straßenname „Sachsenglück“ mit Stollen und Halden erinnert noch an die enttäuschten Bergarbeiterfamilien. 

Die Häuser aus der Franzosenzeit

Neue Verwaltungen führten nach den chaotischen Anfangsjahren den Erzbergbau in Ramsbeck weiter. In die meisten leer stehenden Wohungen in Heinrichsdorf zogen bald hauptsächlich nachgeborene Bauernsöhne ein. Diese langzeiligen Häuser aus der Franzosenzeit bestanden jeweils aus 4 Wohneinheiten, in denen die Bergmannsfamilien meist sehr beengt wohnten und ein recht bescheidenes, teils ärmliches Leben führten. Jeder Wohnung waren ein Stall für die Ziegen, Schweine und Hühner und für die Lagerung von Futtervorräten sowie ein Schuppen für die Gartengeräte und Brennmaterial zugeordnet. Die Viehhaltung und die Bearbeitung eines Wirtschaftsgartens trugen zur Sicherung des Lebensunterhaltes bei. In Heinrichsdorf gab es noch bis zum Zweiten Weltkrieg 100 bis 150, in der frühen Nachkriegszeit noch 50 bis 60 Ziegen. Das Trinkwasser schöpfte man aus einem Ziehbrunnen außerhalb des Hauses. Auch die Toiletten lagen draußen.

Die harte Arbeit der Bergleute                                  

Die Bergleute, die größtenteils unter Tage arbeiteten, erhielten nur einen kärglichen Lohn. Die harte und überaus ungesunde Arbeit führte dazu, dass die meisten Bergleute schon sehr früh starben. Da man bis zum Ersten Weltkrieg die Erfindung und Einführung der Bohrmaschinen mit Wasserführung noch nicht kannte, setzte sich der feine Kieselstaub in der Lunge ab und führte häufig zur Lungentuberkulose bzw. Silikose. Daher wurde Heinrichsdorf im Volksmund auch als „Witwendorf“ bezeichnet. Da die Renten sehr gering waren, schickten die Witwen ihre Jungen täglich in die sogenannten „Pochbuden“ (pochen= schlagen), um dort das Erz vom erzfreien Gestein zu trennen. Mit dem kargen Lohn für diese schwere Arbeit leisteten sie einen notwendigen Beitrag zur Versorgung der Familie.

Das Ende des Bergbaus

Nachdem die Verwaltungen im 20. Jahrhundert den Erzbergbau erfolgreich weitergeführt hatten, kam es schließlich am 31.01.1974 zur Aufgabe des Betriebes. Da die Stärke der Erzgänge mit zunehmender Tiefe immer geringer wurde, musste die tägliche Menge des zu fördernden Gesteins erhöht werden. Dieses war mit der vorhandenen Förderanlage nicht möglich. Eine Erweiterung dieser Anlage kam aus Kostengründen nicht infrage. Einige Bergleute arbeiteten danach noch für einige Jahre in der Meggener Grube (Lennestadt), andere fanden eine neue Arbeitsstelle oder gingen in „Frührente“. Wenige hundert Meter entfernt von hier lag der „Rieser Erzstollen“; Überreste der Halden erinnern noch daran. Am Ende des Zweiten Weltkrieges haben die meisten Bürgerinnen und Bürger von Heinrichsdorf in der Zeit zwischen Ostern und Weißen Sonntag 1945 in diesem Stollen vor den einmarschierenden Amerikanern Schutz gesucht.

Die Heinrichsdorfer Schule

Der kleine Ort Heinrichsdorf hat in der Zeit von 1904 bis 1968 eine eigene einklassige Schule gehabt. Jahrzehntelang wurden die Kinder in einem der langzeiligen Bergmannshäuser unterrichtet, bis dann im Jahre 1950 ein eigenes Schulgebäude, übrigens das erste nach dem 2.Weltkrieg im Altkreis Brilon, errichtet wurde. Heute befindet sich dieses im Eigentum des Deutschen Alpenvereins und dient als Fortbildungs- und Ferienheim.

Heinrichsdorf 1930
Bergarbeiterfamlilie vor dem 2. Weltkrieg
125-jähriges Jubiläum Heinrichsdorf 1979
Winter in den 1930er Jahren

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